Ich habe mit Politikern, Prominenten, Unternehmern und Top-Managern gearbeitet. Es gibt Menschen, die die Kamera lieben – meist solche, für die Öffentlichkeit und Inszenierung Teil des Berufs sind. Führungskräfte gehören in der Regel nicht dazu.
Warum?
Weil ihr eigentlicher Job ein anderer ist: Entscheidungen treffen, Teams führen, Verantwortung tragen. Nicht, in eine Kamera zu sprechen.
Was ich immer wieder beobachte:
- Kamera aus → entspannte, präzise, starke Aussagen
- Kamera an → veränderte Stimme, verkrampfte Körpersprache, Unsicherheit
Das ist kein Kompetenzproblem. Es ist ein Situationsproblem.
Der unterschätzte Druck: Kontrollierbarkeit
Ein wesentlicher Punkt, den viele unterschätzen:
Vor der Kamera ist jede Aussage dauerhaft reproduzierbar. Sie kann gestoppt, zurückgespult und Wort für Wort analysiert werden. Diese Form der Kontrolle existiert in keinem persönlichen Gespräch.
Aus journalistischer Sicht ist genau das der Moment, in dem Nervosität völlig rational wird. Wer Verantwortung trägt, denkt automatisch mit: „Kann man mir das später falsch auslegen?“
Diese innere Kontrolle blockiert Spontanität.
Warum journalistische Erfahrung hier entscheidend ist
In solchen Situationen reicht es nicht, einfach „mehr zu üben“. Was wirklich hilft, ist ein professionelles Set-up – und genau hier kommt meine Rolle als Senior-Journalist ins Spiel.
Meine Aufgabe ist nicht nur, Fragen zu stellen. Meine Aufgabe ist es:
- Aussagen gemeinsam zu erarbeiten
- Aussagen so zu strukturieren, dass sie fachlich korrekt, klar und anschlussfähig sind
- Führungskräften Sicherheit zu geben, dass das Gesagte trägt – inhaltlich wie kommunikativ
- während des Interviews permanent mitzudenken: Passt das? Ist das präzise genug? Braucht es einen zweiten Anlauf?
Diese journalistische Mitverantwortung verändert die Situation fundamental. Die Führungskraft muss nicht gleichzeitig Experte, Kommunikator und Regisseur sein.
Erfahrung schlägt Routine: Warum Nervosität mit dem richtigen Prozess sinkt
Ich erlebe regelmäßig, dass selbst sehr nervöse Führungskräfte nach kurzer Zeit deutlich entspannter werden. Nicht, weil sie plötzlich „kameratauglich“ werden wollen, sondern weil sie merken, dass sie nicht alleine sind.
Entscheidend sind drei Faktoren aus meiner Praxis:
- Keine Live-Situation: Wir zeichnen auf. Jeder weiß, dass man jederzeit stoppen, neu ansetzen oder präzisieren kann.
- Beliebig viele Anläufe: Gute Aussagen entstehen oft nicht beim ersten Versuch – und das ist vollkommen in Ordnung.
- Klare Rollenverteilung: Die Führungskraft konzentriert sich auf Inhalte und Haltung, ich auf Wirkung, Struktur und Verständlichkeit.
Sobald diese Punkte klar sind, verschwindet ein Großteil der Nervosität von selbst.
Vertrauen als Ergebnis journalistischer Zusammenarbeit
Über die Zeit entsteht etwas, das für starken Content entscheidend ist: Vertrauen. Führungskräfte geben ein Stück Kontrolle ab – nicht über ihre Inhalte, sondern über die Machart. Genau dadurch gewinnen die Aussagen an Klarheit und Autorität.
Dieses Prinzip ist kein Zufall, sondern journalistische Praxis. Gute Interviews entstehen nicht durch Druck, sondern durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Wie diese Erfahrung heute systematisch genutzt wird
Aus genau diesen Erfahrungen ist auch die Arbeitsweise von Lapano entstanden. Die Prozesse sind so aufgebaut, dass Führungskräfte nicht „performen“ müssen, sondern in ihrer natürlichen Rolle bleiben können.
Journalistische Erfahrung, strukturierte Interviews und professionelle Nachbearbeitung sorgen dafür, dass Inhalte wirken – ohne künstliche Inszenierung.
Fazit: Nervosität ist ein Zeichen von Verantwortung
Nach tausenden Interviews ist meine klare Überzeugung: Wer vor der Kamera nervös ist, nimmt Kommunikation ernst.
Mit der richtigen journalistischen Begleitung wird aus dieser Nervosität keine Schwäche, sondern die Basis für glaubwürdige, relevante und starke Thought-Leadership-Inhalte.


